Eine Herkunftsmutter
Zur Freigabe genötigt
Suche nach dem "Kind"
Suche nach dem "Kind"
Suche nach dem ›Kind‹  
   
Wenn das Herz dem Obrigkeitsgehorsam unterliegt.
   
     
Die rechtliche Seite
              
§ 1758 Bürgerliches Gesetzbuch Offenbarungs- und Ausforschungsgebot
               
(1)Tatsachen, die geeignet sind, die Annahme und ihre Umstände aufzudecken, dürfen ohne Zustimmung des Annehmenden und des Kindes nicht offenbart oder ausgeforscht werden, es sei denn, dass besondere Gründe des öffentlichen Interesses dies erfordern.
(2)Absatz 1 gilt sinngemäß, wenn die nach § 1747 erforderliche Einwilligung erteilt ist. Das Vormundschaftsgericht kann anordnen, dass die Wirkungen des Absatzes 1 eintreten, wenn ein Antrag auf Ersetzung der Einwilligung eines Elternteils gestellt worden ist.
          
Das heißt im Klartext:
            
 -  Ein anonymer Informationsautausch ist nur über das Jugendamt möglich
 -  Ein Recht auf Information gibt es nicht. Man/frau ist auf das Gutwill der Adoptiveltern angewiesen
 -  Jegliche eigenmächtige Suche stellt einen Gesetzesverstoß dar.
          
       
Die Zeit nach der Freigabe
    
In der Regel hört und liest man von Adoptionstraumata nur in Verbindung mit Adoptierten und für die wird (zum Glück!) Hilfe z. B. in Form von Biografiearbeit angeboten (siehe hierzu auch die Unterseite »Biografiearbeit«). Für die Herkunftsseite sah/sieht man diesen Bedarf häufig leider nicht. Aus diesem Grund blieben früher – und bleiben teilweise heute noch! – die meisten Herkunftseltern alleine mit ihren quälenden Gedanken und Nöten.
      
Gemessen an der Anzahl von Publikationen zu Adoptierten mit Traumata, gibt es nur spärliche Daten und Forschungsarbeiten bezüglich Herkunftseltern. Diejenigen aber, die sich mit diesem Thema auseinandergesetzt haben, kamen meistens zu dem Schluss, dass fast alle ein Leben lang Probleme mit der Abgabe ihrer ehemaligen Kinder haben. Auf der Tatsache beruhend, dass wohl keine einzige Adoption, bei der die Eltern noch lebten oder im Besitz ihrer geistigen Kräfte waren, ohne irgendeine ›Notlage‹ erfolgte, braucht das wohl niemanden zu verwundern!
             
Was macht jemand, der mit seinen Sorgen und Nöten im Regen steht? Viele flüchten sich in Schweigen und Verdrängen, denn von der Gesellschaft brauchen sie sich auch kein besonderes Verständnis erhoffen, egal aus welchem Grund sie sich von ihren Kindern getrennt haben. Je nachdem wie eine betroffene Person damit umgeht, wird sie dann auch dem Gedanken eines möglichen Wiedersehens gegenüber stehen. Die Bandbreite ist hierbei sicher sehr groß. Manche kommen irgendwann einmal an den Punkt, wo sie nicht mehr nur Verdrängen, sondern mit dem Thema ganz abschließen. Damit ist ihrerseits der Weg zum Adoptierten versperrt.
    
So traurig, aber nachvollziehbar, das für uns Betroffene ist, so unverständlich und empörend muss es für Außenstehende erscheinen. Ganz davon abgesehen beruht eine derartige Ablehnung durchaus auf Gegenseitigkeit, denn wir Wurzeleltern müssen auch die Ablehnung und teilweise sogar Verletzungen und Anfeindung seitens unserer ›ehemaligen‹ Kinder ertragen und akzeptieren. Für jeden, der einen Kontakt will, aber abgewiesen wird, ist das immer bitter!
         
Ebenfalls dürfte es einen großen Unterschied machen, wie ›freiwillig‹ man damals abgegeben hat. War es gar von anderen ›erzwungen‹, dann sehnt man sich vom ersten Tag an nach einem Wiedersehen mit seinem Kind. Hat man aber wenigstens einigermaßen bewusst diese Entscheidung getroffen, dann könnte es schon sein, dass man später keinen Kontakt haben will, weil man ja bewusst damit abgeschlossen hat und aus Selbstschutz die Möglichkeit von aufkommenden Zweifeln ausschließen will. Nach außen sieht das dann aus wie Desinteresse oder asoziales Verhalten, aber wie es in den Menschen drinnen aussieht, das erfährt man im Falle von Adoption oft ebenso wenig wie bei einem Alkoholiker.     
          
Ein besonderes Augenmerk sollte man auch auf die Väter legen, denn deren Meinung oder gar Einwilligung zur Freigabe wurde (und wird manchmal bis heute!) gar nicht einbezogen. Da verlässliches Zahlenmaterial fehlt und es auch nur vereinzelt Väter gibt, die sich öffentlich auf die Suche nach ihren adoptierten Kindern begeben, kann man nur mutmaßen wie viele davon das tun. Manche Väter erfahren auch erst von der Existenz ihrer Nachkommen durch deren Anruf, nachdem diese auf teilweise abenteuerlichen Wegen überhaupt erst an den Namen gelangt waren.
 
Weitere Informationen hierzu
• ...........
• ......
    
        
Wenn das Herz dem Obrigkeitsgehorsam unterliegt
          
Eltern/Mütter, die das Glück hatten, dass ihnen bereits bei der Adoption die Tür zu ihren Kindern offen gehalten wurde, tun sich emotional und technisch viel leichter mit der Suche, als zum Beispiel ich. Bei mir wurde mit dem Verlassen des Notarbüros, wo ich die berühmte Unterschrift leisten ›durfte‹, die Tür zu meinem Kind symbolisch geschlossen. Man belehrte mich, dass ich wegen des Inkognitos keine eigenen Nachforschungen nach meinem Kind anstrengen dürfe. Leider hat mich auch niemand dazu aufgefordert, einen erklärenden Brief zu hinterlassen. Heute bin ich mir fast sicher, dass das mit einer gewissen Absicht geschehen ist, denn aus dem Brief wäre klar hervorgegangen, dass diese Abgabe weder auf meinem eigenen Willen noch auf dem des ebenfalls minderjährigen Kindsvaters beruhte. Stattdessen hatte man mir versichert, dass mein Kind in allerbeste Hände kommen würde, ich mir überhaupt keine Sorgen um dessen Wohlergehen machen müsste und ich mich ab sofort wieder um meine Schule kümmern könne.
             
Auch wenn andere Fälle ganz anders liegen mögen, die Sehnsucht nach dem Wissen um das Wohl des Kindes wird keine Mutter und keinen Vater je verlassen. So gesehen ist Inkognitoadoption einfach nur unmenschlich und sollte nur in gut begründeten Ausnahmefällen erlaubt sein.
               
Wenn man eines Tages endlich die Hemmschwelle etwas ›Ungesetzliches‹ zu tun überschritten hat, führt bis heute der erste Weg bei der Suche zur seinerzeit vermittelnden Stelle (z. B. Jugendamt). Wenn man Glück hat, trifft man dort auf verständnisvolle Mitarbeiter, die einem Mut machen, einen Brief an die/den Adoptierten zu hinterlassen. Hat man noch mehr Glück und die gesuchte Person ist schon älter, dann kann es sogar sein, dass diese bereits gesucht und ihrerseits Daten hinterlegt hat. Meistens kommt es dann zu einem ersten Kontakt. Wie das stattfindet, hängt offenbar einzig vom Geschmack der zuständigen Beamten ab. Ich habe jedenfalls vom schlichten Weiterreichen der Kontaktdaten bis hin zum begleiteten persönlichen Treffen auf neutralem Boden alles gehört.
            
An dieser Stelle erhebe ich heftige Vorwürfe gegen die Praktiken der obersten Behörden, denn derart essenzielle Vorhänge bedürfen der fachlichen Begleitung durch Sozialarbeiter; besonders, wenn man sich diese Dienstleistung in den hauseigenen Werbebroschüren zum Thema Adoption auch noch auf die Fahne schreibt, was in vielen Fällen der Fall ist! Ich halte eine Unterlassung einer derartigen Unterstützung für unverantwortlich.   
     
Weitere Informationen hierzu
• ...........
• ...... 
                 
Fettnäpfchen, falsche Erwartungen und Enttäuschungen
               
In meinem Fall lief das ›Wiedersehen‹ so: Als ich mich endlich nach über 30 Jahren beim Jugendamt meldete, war mir meine Tochter zuvorgekommen. Als erstes musste ich dem Amt gegenüber schriftlich erklären, warum ich meine Tochter suchen würde. Nachdem die von mir aufgeführten Gründe offenbar Gefallen fanden, forderte mich das Jugendamt auf, ihr einen Brief zu schreiben, den ich aber nicht verschließen durfte und an das Amt schicken musste. Ich war damals 51, meine Tochter 33 Jahre alt!
            
Trotz dieser Erniedrigung bin ich natürlich der Bitte nachgekommen. Zum Dank habe ich nach mehreren Wochen einen Brief meiner Tochter erhalten, in welchem sie u. a. ihr Erstaunen über meinen ›plötzlichen Wissensdrang‹ zum Ausdruck brachte. Das ist schon heftig, wenn man dafür, dass man sich an die gesetzlich auferlegten Regeln gehalten hat, sich zynischen Fragen ausgesetzt sieht. Es folgte ein jahrelanger Briefwechsel, der zu Beginn meinerseits über das Jugendamt lief, später anonym über ihre Freundin und ganz am Ende sogar offen. Leider ist es niemals zu einem Telefonat und schon gar nicht zu einem persönlichen Treffen gekommen. Inzwischen ist der Kontakt fast zum Erliegen gekommen.
               
Für das Misslingen dieses (Nicht)Wiedersehens mache ich u. a. Fehler meinerseits verantwortlich weil ich erst heute begriffen habe wie Adoptierte denken. Ich habe es zwar gut gemeint, aber nicht gut gemacht. Ziemlich sicher bin ich mir allerdings, dass das alles anders gekommen wäre, hätte es gleich zu Beginn ein ›amtlich‹ begleitetes Treffen auf neutralem Boden gegeben.